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    Wie "normal" sind Depressionen heute?

     In der Regel leidet nicht nur der an einer Depression erkrankte Mensch,  -auch seine Angehörigen leiden mehr oder weniger direkt oder indirekt  unter der Erkrankung. Sie werden in Mitleidenschaft ge-zogen und befinden  sich so in einer schwierigen Situation. Sie haben keine Erfahrung mit dieser für sie zumindest am Anfang unbegreifbaren Erkrankung und verwechseln  die Depression mit einer Verlust- oder Trauerreaktion. Dadurch wird die Behandlung der Krankheit hinausgezögert, und erst nach einiger Zeit,  wenn sich neben der Traurigkeit auch andere Anzeichen der Erkrankung bemerkbar machen, wenn z. B. anhaltende Appetitlosigkeit, Gewichtsab-nahme und Schlafstörungen  auftreten, wird erwogen, einen Arzt aufzusuchen.
    Besonders kompliziert wird diese Situation dann, wenn der - nicht er-kannte  - depressiv Kranke auf die liebevolle Zuwendung seiner Angehörigen  nicht reagiert. Die Angehörigen sind irritiert, weil sie das in sich  zurückgezogene Verhalten des Depressiven als Mißachtung ihrer  Bemühungen interpretieren. So entsteht eine Verärgerung, die  den Depressiven zwangsläufig noch tiefer in den Rückzug treibt.  Die Eskalation der allgemeinen Situation und der Krankheit sind so zwangsläufig miteinander verbunden. Die Angehörigen müssen, um sich dem Depres-siven  gegenüber richtig verhalten zu können, wissen, daß der  Kranke unter seiner Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken, selbst am meisten leidet. Es 'geht hier nicht um eine absichtliche Verweigerung,  um Lieblosigkeit oder gar Bösartigkeit, sondern um eine Störung,  die Bestandteil und Ausdruck der Depression ist. Dieser Zustand wird sich  aber im Laufe der Therapie wieder zum Besseren verändern, auch den  Angehörigen wird es dann - erst in ihrer Beziehung zu dem an einer  Depression Erkrankten und dann in ihrer persönlichen Situation - wieder  besser gehen. Es ist zu erkennen, daß die Depression eine Erkrankung ist, die nicht nur den Einzelnen, sondern das ganze mit ihm in Verbindung  stehende System betrifft. Dabei können Wechselwirkungen sowohl vom Erkrankten auf das System, aber auch vom System auf den Erkrankten beobachtet werden. Das gilt nicht nur für das kleine System einer Familie oder  Lebensgemeinschaft, sondern auch für das große, übergeordnete  System "Gesellschaft":

    In den Industrienationen erkrankt heute etwa jeder Vierte einmal im Leben  an einer Depression. Dabei beträgt das Risiko, einmal im Leben depressiv  zu werden, für Frauen zwischen zwanzig und dreißig, für  Männer dagegen nur zwischen zehn und fünfzehn Prozent. Diesem Verhältnis wird weder in der wissenschaftlichen Literatur noch in  der Alltagssprache Rechnung getragen; denn so gut wie immer ist vom "Patienten"  die Rede, so gut wie nie von der "Patientin".
    Um der sprachlichen Einfachheit Willen wird auch in diesem Ratgeber darauf verzichtet, konsequent die weibliche und männliche Form zu verwenden. Deshalb muß an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß  mit "Patienten" immer auch "Patientinnen" gemeint sind. In diesem Zusammenhang sollte bemerkt werden, daß unsere Sprache  nicht nur ein Zeugnis darüber ablegt, wie geschlechtsfixiert unsere  Kultur ist, sondern auch darüber, wie wenig Ausdrucksmöglichkeit und Raum sie für das Weibliche läßt. So ist es dann auch zu verstehen, daß in dieser Kultur etwa zweimal mehr Frauen als Männer depressiv werden.
    Ein anderes zum Verständnis der Depression beitragendes Zeugnis wird durch den Gebrauch des Wortes "normal" gegeben: Depressive Erkrankungen sind heute so weit verbreitet, daß sie in der wissen-schaftlichen  Literatur als eine "völlig normale" Reaktion bezeichnet werden - vorausgesetzt natürlich, daß sie "uns nicht bei unseren Alltagsaufgaben behindern'"1'.
    Ganz abgesehen davon, daß Depressionen auch als Begleiterkrankungen  oder Folge verschiedener körperlicher Zustände z.B. in Zusammenhang mit einer Schilddrüsenunterfunktion, nach einer Infek-tionserkrankung  oder durch die hormonelle Umstellung nach einer Geburt, auftreten können,  ist dies ein Zynismus. Denn selbst wenn Depressionen im statistischen Sinn  "normal" sind, kann man sie doch nicht als normalen oder gesunden  Zustand betrachten. Nach der statistischen Definition von Normalität  wären dann nämlich auch die meisten Zivilisationskrankheiten,  egal ob es sich um Rückenbeschwerden, Kurzsichtigkeit oder Übergewicht  handelt, als "normal" zu akzeptieren.
    Depressionen sind ein Symptom unserer Zeit und in Zusammenhang mit ihrer  zunehmenden Häufigkeit stellt sich für viele Ärzte, aber  auch den Patienten, die berechtigte Frage, ob unsere Gesellschaft selbst krank ist.
    Groß-Firmen, multinationale Konzerne, anonyme Behörden und eine  den Einzelnen über-wältigende Massen- und Medienkultur erzeugen  bei vielen ein immer stärkeres Gefühl von Ohnmacht, von Orientierungs- und Hilflosigkeit, und die De-pression erscheint so als durchaus angemessene Reaktion auf eine Welt, in der es kaum noch andere Möglichkeiten als den inneren Rückzug gibt. Trotzdem ist es weder richtig noch hilfreich,  hier allein "der Gesellschaft", "den Umständen" und "den Anderen" die Verant-wortung zuzuschieben, denn der Rückzug in die Depression wird erst dann unumgänglich, wenn die eigenen Werte verlorengegangen sind und eine innere Orientierung am Selbstwert nicht mehr möglich ist. Je schneller und unüber-schaubarer die Welt sich ver-ändert, desto unmöglicher , wird eine Orientierung an äußeren und fremden Wer-ten, desto notwendiger wird die Abgrenzung  nach außen und eine innere Orientierung anhand der persönlichen Werte und Bedürfnisse."Der Rückzug in die Depression" muß so gesehen als eine innere Suche nach der eigenen Orientierung  verstanden werden: der Betroffene kann und wird sich seiner Umgebung erst  wieder öffnen, nachdem er für sich und sein Leben einen persönlichen Sinn und eine eigene Richtung gefunden hat. Der an einer Depression Erkrankte braucht viel Zeit für seine innere Arbeit. Eingriffe von außen,  selbst gut gemeinte Ratschläge, werden seiner persönlichen Suche  kaum gerecht. Diese innere Suche will durch Partner, Verwandte, Freunde,  Ärzte und Psychotherapeuten verstanden und durch geduldige Zuwendung  unterstützt werden. Dieser Ratgeber will Ihnen durch die Vermittlung  des nötigen Hintergrundwissens, vor allem aber auch mit einer Vielzahl von praktischen Hinweisen bei der Bewältigung dieser gewiß nicht  einfachen Aufgabe zur Seite stehen.