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Schwerpunkt Psyche

Ein Versuch, den Zustand der Psyche des Psoriatikers zu beschreiben

mit freundlicher Genehmigung vonDr. Günther Schäfer

Die Psyche eines Menschen oder auch von Menschengruppen zu beschreiben, wird sicherlich noch auf viele Jahre hin höchst problematisch bleiben. Allzu vielschichtig ist der Aufbau des menschlichen Wesens, als daß man es sich hier einfach machen könnte - oder auch sollte. Von welchem Blickwinkel aus man auch an dieses Thema herangeht, die Vielfalt der Facetten macht es schwer, einen ersten Einstieg in dieses weite Betrachtungsfeld zu finden. Die Ärzte Dr. Günther N. Schäfer und Dr. Ekkehard W. Jecht unternehmen auf der Basis jahrelanger Erfahrungen aus der Praxis mit unterschiedlicher Perspektive einen Anlauf einer Beschreibung. Alles Lebende bewegt sich in einer Bandbreite, die man als Norm bezeichnen kann. Dies gilt ebenso für die organischen Lebensfunktionen, wie auch für die Psyche. So gibt es wohl Personen, die sich an der oberen oder unteren Grenze dieser Bandbreite bewegen, und die somit "normal" sind. Erst nach Überschreiten einer solchen Grenze beginnt die Anormalität, die dann von der Exzentrik bis hin zur Krankheit reichen kann, Ich möchte hier versuchen, auf beschreibende Art und Weise der Psyche des Psoriatikers gerecht zu werden. Hierzu will ich mein Vorhaben aufteilen in die hauptsächlichen Gesichtspunkte, deren beschreibende Besprechung und die zu folgernden Schlüsse.

Primäre Persönlichkeitsauslegung

Psoriatiker gehören m. E. zu jenen, die sich im Grenzbereich dieser Betrachtungsweise befinden hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsauslegung. Sie sind damit sicherlich nicht alterierte Menschen, aber doch in der großen Mehrzahl von einer deutlichen Neigung zu Hypomanen gekennzeichnet. Dies gilt sowohl hinsichtlich allgemeiner Aktivität im Alltag, als auch was die Interessenbreite betrifft, persönliches Einsatzvermögen und -bereitschaft, das "mit dem Herzen bei der Sache sein", eine erhöhte Sensibilität gegenüber auch nur kleinen Ungerechtigkeiten, einem hohen Tempo bei allen Unternehmungen. Dabei kommt es ihnen oft nicht auf das Detail an und sie mögen sich auch leichter "vergaloppieren", als dies etwa beim Pedanten möglich wäre. Aus dieser Auslegung heraus neigen Psoriatiker auch dazu, sich selber in Streßphasen zu manövrieren, in denen logischerweise allzuviele Projekte zusammentreffen. Begriffe wie Mana-gerkrankheit, nervöser Magen, Durchblutungsstörungen kommen folglich bei ihnen häufiger vor, und der resul-tierende innere Druck verschlimmert regelmäßig ihr psoriatisches Leiden,

Eine große Gruppe der Psoriatiker zieht es vor, selbständig zu sein, um sich in die Lage zu versetzen, die eigene Zeit selber einteilen zu können, nicht so viel Rücksicht auf andere nehmen zu müssen, das eigene Le-ben ungestört gestalten zu können, so weit dies möglich ist. Auf diese Weise kommt eine weitere Neigung deutlich zum Tragen: die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Dieser so beschriebene Menschentyp wird von seinem Haut- und Gelenkleiden kaum beeinträchtigt im unternehmerischen Sinne. Er wird immer versuchen zu "kompensieren", es zu "schaffen", sich nicht "kleinkriegen" zu lassen. Damit erklärt sich auch, warum man alle zur Verfügung stehenden Tricks, Arrangements, Dienstleistungen von Medizin und Politik zu nutzen versucht und so - nimmermüde - die eigene Behinderung - wie Psoriasis empfunden wird - bekämpft. Es gibt in jedem Kollektiv aber auch solche, die indolent werden aufgrund immer wiederkehrender Ent-täuschungen. Diese Menschen sind aber relativ selten.

 

Als Betroffener fällt mir diese allgemeine Darstellung leicht. Vor allem, da es mir gelungen ist, "meine" Psoriasis in den Griff zu bekommen. Immerhin darf ich hier anfügen, daß ich vor etwa 20 Jahren vor der Frage stand, wie es mit mir in meinem Beruf als Allgemeinmediziner weitergehen solle, da ich kaum noch in der Lage war, die unumgänglichen ärztlichen Notizen in die Krankenblätter meiner Patienten zu schreiben. Meine Fingergelenke ließen dies kaum noch zu.

Viele Betroffene stehen aufgrund der Schwere ihres Leidens vor ähnlichen Problemen. Ich schätze den Anteil Schwererkrankter mit Psoriasis bei etwa 20 % aller Betroffenen. Das sind auf die gesamte BRD gesehen etwa 500.000 bis 600.000 Menschen.

Leidensdruck

Aus dem Gesagten läßt sich leicht er-kennen, daß die Betroffenen unter einem kontinuierlichen Leidensdruck stehen. Der Druck ist unabhängig von der Schwere des Krankheitsbildes. Hierzu gehört nicht nur das kaum zu beschreibende persönliche Leid, sondern vielmehr auch unterschiedlichesoziale Faktoren wie gesellschaftliche Ausgrenzung oder Mangel an Perspektive auf medizinischer Seite. Dieser Leidensdruck geht Hand in Hand mit dem Krankheitsbild. Beide schaukeln sich gegenseitig hoch, so daß sich der Betroffene in einem regelrechten Teufelskreis befindet.

Fehlen medizinischer Perspektiven

Bis heute ist die Medizin auf der Suche nach ätiologisch relevanten Ansätzen. Solange man hier im Dunkeln tappt, wird man wohl oder übel mit konventionellen Methoden versuchen, wenigstens zeitweilige Erleichterung zu erwirken. Dies geschieht mit den sogenannten Suppressionstherapien, die aber wegen vielfältiger Nebenwirkungen nie über längere Zeit angewendet werden können. Die Be-troffenen wissen jeweils, daß sie nur mit relativ kurzfristiger Erleichterung leben - sie haben ja Erfahrung auf diesem Gebiet.

Sogenannte Außenseitermethoden, die inzwischen häufig bessere Erfolgsquoten aufweisen können, werden nur schwer den schulmedizinschen Segen finden. Was für den Betroffenen verständlicherweise Frust bedeutet und auch Kosten, da die Krankenkassen und Versicherungen erst dann dafür aufkommen, wenn das Placet der Schulmedizin vorliegt. Da reicht es nicht aus zu wissen, daß die Schulmedizin auf das Intensivste forscht. Man kann ja allenthalben be-obachten, wie viel Zeit vergeht, bis wirklich Neues da ist und vor allem auch angewandt wird.

 

Vollständiges Fehlen einer Anerkennung einer Behinderung

Nicht nur hat der Psoriatiker seine subjektiven Beschwerden vonseiten der Haut wie auch der Gelenke. Hinzu kommen die vielschichtigen Beschwernisse im sozialen Bereich. Die Betroffenen werden oft wie Aussätzi-ge behandelt, als Last vonseiten der Krankenkassen (Kostenträger), ja sogar als "Gestörte" von bediensteten Behörden. Es ergibt sich eine Schere aus der Vorgabe. Psoriasis ist nicht ansteckend und auch keine tödliche Krankheit. Es besteht also keine Gefahr für das Allgemeinwohl. Damit fällt die behördliche Pflicht weg, etwas im Allgemeininteresse unternehmen zu müssen. Aus dieser Situation heraus verliert dann die notwendige Hilfestellung an Dringlichkeit.

Der Psoriatiker ist somit nicht nur mit seinem Leiden alleine, sondern er muß dafür auch noch weitgehend Ko-sten aus eigener Tasche mittragen, was eigentlich Sache der Solidargemeinschaft wäre.

Wenn man angesichts der großen Zahl Psoriasis-Leidender, es sind nach vorsichtigen Schätzungen etwa 3% der Bevölkerung, von einer Volkskrankheit spricht, erhalten diese Sätze einen besonderen Sinn.

 

Mangelnde Aufklärung

Hier ergibt sich eine zusätzliche Ausgrenzung durch die tief eingegrabene Abneigung der Menschheit ganz allgemein gegen jede Hautkrankheiten. Menschen mit Hautproblemen wer-den weithin als etwas Abstoßendes empfunden, was sich durch die Angst vor Ansteckung erklärt. Als Konsequenz sind besonders junge Menschen sehr rasch in Panik, wenn sie bei sich die ersten Zeichen einer sich entwickelnden Psoriasis entdecken. Sofort spielt auch die Sorge mit, ob von nun an überhaupt noch ein normales Leben mit Partnerschaft, mit beruflichem Erfolg möglich sei.

Bekanntlich sind viele Berufe für Hautkranke nicht ergreifbar - gleichgültig ob es sich um "nur" Psoriasis handelt oder nicht. Es geht einzig darum, ob die Haut intakt ist oder nicht. Das reicht vom Lebensmittelberuf über den Bankschalter bis hin zur Krankenpflege und den OP-Saal! Am liebsten bringt man solche Leute in einem Nebenzimmer unter in irgendeinem Dienstleistungsbereich - aber bitte ohne Publikumskontakt...!

Offenkundig ist, daß auf diese Weise das Ego der Betroffenen in höchstem Maße leiden muß. Zumal Betroffene sich bei vollster Gesundheit fühlen, wenn nicht durch den Gelenkbefall, der bei etwa 30 % der Betroffenen zum Hautbefall noch hinzukommt, eine noch deutlichere Behinderung, bis hin zur Invalidität, erreicht ist.

Soziale Last

An dieser Stelle sollte ich wohl auf eine Studie hinweisen, die um 1983 in der Region Basel durchgeführt wurde:

die sogenannte Leu-Studie. Mehrere hundert Psoriatiker wurden nach ihrem Aufwand befragt, der sich aus ihrem Psoriasisleiden ergibt. Als Ergebnis stellte sich heraus, daß der Jah-resaufwand bei leichteren bis mittelschweren Fällen bei etwa 14.000.-SFrs liegt und bei schweren Fällen bis 23.000.- SFrs ansteigen kann. Dabei wurden alle Gesichtspunkte wie zusätzliche Körperpflege, extra Kleidung, vermehrte Arbeitsausfälle, Kuren, Klinikaufenthalte, medizinische Behandlung etc. erfaßt und in Geld-wert umgerechnet.

Hochgerechnet auf etwa 2 Millionen bundesdeutscher Psoriatiker ergibt sich eine - wie ich es bezeichne - soziale Last von über 50 Milliarden DM. Nur etwa 1/5 dieser Kosten rekrutieren sich dabei aus medizinischer Behandlung. Das Gros dieser enormen Kostenlast geht jetzt zulasten der Betroffenen.

Aus den nur wenigen angesprochenen Gesichtspunkten läßt sich ein eher trauriger Zustandsbericht feststellen. Aber aus der Darstellung wird vielleicht auch verständlich, warum bekanntlich unter Psoriatikem eine erhöhte Suizidratefestzustellen ist -über die allerdings niemand spricht...

Die Belastung der Psyche ist offen kundig und entbehrt eine Art Klassifizierung der "Symptome" vorzunehmen. Trotz aller Misere gibt es Betroffene, denen es gelingt, sich freizuschwimmen und das individuelle Krankheitsgeschehen in einigermassen erträglichen Grenzen zu halten. Sind dies einsame Ausnahmen die beispielhaft herausgestellt werden dürfen?

Es scheint wohl geboten, Wege zu finden, die das Los aller Psoriatiker erleichtern helfen. Der DPB hat hierfür Ansätze bewirkt; er hat noch mehr Vorschläge parat. Es gilt zu handeln und auf keinen Fall, damit Zeit zu verlieren.