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PsoriSol Ratgeber: Neurodermitis Stand Januar 2008

Definition, Häufigkeit, Ursachen, Prognose

Was ist Neurodermitis?  Download Neurodermitis.pdf

Die Neurodermitis ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. In Deutschland leiden etwa 3 bis 10 Millionen Menschen an dieser Erkrankung, mit steigender Tendenz in den letzten Jahren. Der Name leitet sich von neuronalen Einflüssen, d.h. Einflüssen des Nervensystems, auf die Entzündung der Haut (Dermatitis) ab. Es gibt zahlreiche andere Bezeichnungen, die mit Neurodermitis gleichgesetzt werden. So z.B. atopische Dermatitis, wobei unter Atcpie heute eine ungewöhnliche Überempfindlichkeit auf bestimmte Substanzen der Umwelt (z.B. Baumpollen) verstanden wird. Andere Begriffe sind atopisches Ekzem (Ekzem bedeutet Entzündung der Haut), endogenes Ekzem (endogen bedeutet von innen kommend) oder konstitutionelles Ekzem (konstitutionell heißt, eine Veranlagung dafür zu haben).

Die Neurodermitis bezeichnen wir als atopische Erkrankung, die Patienten haben also meistens eine abnorm gesteigerte Reaktion auf Substanzen, die von Gesunden vertragen werden (Allergie). Andere atopische Erkrankungen sind der Heuschnupfen (Rhinitis allergica) oder das allergische Asthma bronchiale. Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma können gemeinsam, nacheinander oder abwechselnd bei ein und demselben Patienten auftreten.

Warum hat Ihr Kind Neurodermitis?

Man weiß heute, daß Neurodermitis eine wohl überwiegend genetisch bedingte Erkrankung ist. Mit anderen Worten: im Erbgut ist verankert, ob man an Neurodermitis bzw. den anderen atopischen Krankheiten erkranken wird oder nicht. Aus diesem Grund haben in Familien mit Neurodermitispatienten oft auch andere Familienmitglieder Heuschnupfen oder allergisches Asthma oder haben als Kind selbst unter Neurodermitis gelitten.

Man weiß bis heute nicht, wie die Erkrankung an die Nachkommen weitergegeben wird. Das genaue Vererbungsmuster kennt man noch nicht. Es sind wahrscheinlich mehrere verschiedene Faktoren im Erbgut (sog. Gene) verantwortlich. Vererbt wird unter anderem die Neigung zu Allergien. Ob sich aus der Neigung zu Allergien auch Beschwerden ergeben, hängt von vielen Faktoren ab. Darauf wird an anderer Stelle noch ausführlich eingegangen.

Die Neurodermitis hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Während in den sechziger Jahren nur etwa 3 % aller Kleinkinder erkrankten, liegt die Zahl heute bei 15 bis 20 %. In manchen Untersuchungen leiden sogar bis zu einem Viertel der untersuchten Kinder an Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergischem Asthma. Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit den Gründen für diese gewaltige Zunahme. Wichtig ist, für jeden Patienten die verantwortlichen Provokationsfaktoren herauszufinden und künftig, soweit sich das durchführen läßt, weitgehend zu meiden. Aus diesem Grund sollten bei allen Patienten mit Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien intensive Untersuchungen durchgeführt werden.

Ursachen der Zunahme allergischer Erkrankungen

Allgemein wird davon ausgegangen, daß eine zunehmende Verschmutzung der Umwelt der Hauptgrund für die steigende Erkrankungsrate ist. Neue Untersuchungen zeigen jedoch, daß zahlreiche - vermeidbare - Verhaltensänderungen in unserer Gesellschaft in erster Linie dafür verantwortlich sind.

Der Rückgang der Kinderzahl pro Familie bei gleichzeitiger Entwicklung eines mütterlichen Überbehütungsverhaltens ihres meist einzigen Kindes (,,overprotection"> hat zu einem Rückgang banaler Erkältungserkrankungen im Kleinkindesalter geführt. Das entscheidende ,,Fenster" für die Prägung des lmmunsystems stellen dabei wahrscheinlich die ersten drei Lebensjahre dar. Wie man heute weiß, können solche banalen Erkältungen bewirken, daß das Immunsystem verstärkt Botenstoffe produziert, welche die Entwicklung von Allergien mit den entsprechenden Symptomen verhindern. Mit anderen Worten: das Bestreben der Eltern, ihr Kind vor Infektionen und Kinderkrankheiten zu bewahren, wirkt sich hinsichtlich der Entstehung allergischer Erkrankungen eher ungünstig aus. Je höher die Anzahl der Geschwister in einer Familie, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für die jüngsten Kinder, allergische Erkrankungen zu entwickeln. Im Westen Deutschlands waren in den vergangenen Jahren Einzelkinder aus Familien mit hohem Sozialstatus - statistisch gesehen - als potentielle Allergiker besonders gefährdet. Die frühe und kontinuierliche Betreuung der Kinder in Krippen in der ehemaligen DDR mit dadurch bedingten häufigen frühkindlichen Infekten hatte möglicherweise einen schützenden Effekt hinsichtlich der Entstehung von Allergien.

Die vielzitierte ,,lmpfmüdigkeit" in den vergangenen Jahren ist wahrscheinlich ein weiterer wichtiger Grund für die Zunahme allergischer Erkrankungen. Die Impfung führt zu einer sog. Feiung ("Abhärtung") des kindlichen lmmunsystems. Die Feiung kann - wie die erwähnten Erkältungskrankheiten - in der zu einem Schutz vor allergischen Reaktionen gegenüber Umweltallergenen führen.In den vergangenen Jahren (Jahrzehnten) zeichnete sich in unserer Gesellschaft der Trend ab, Kinder nicht zu stillen bzw. in den ersten Lebenswochen abzustillen. Stattdessen wurden früh Gläschennahrung (Beikost> und Kuhmilch gefüttert. Da innerhalb des ersten Lebensjahres das Immunsystem des Darms bei Kindern mit genetischer Veranlagung zu Allergien zu einer Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmitteln neigt, stellen stark allergisierende Nahrungsmittel (z.B. Hühnerei, Kuhmilch, Nüsse) in diesem Zeitraum ein Risiko für die Ausprägung allergischer Reaktionen dar. Möglicherweise sind belastende Umweltfaktoren in geschlossenen Räumen für die Allergikerkarriere bedeutsamer als die Verschmutzung der Umwelt durch Auto- und Industrieabgase. Tabakrauch verstärkt das Risiko allergischer Reaktionen. So ist beispielsweise die Wahrscheinlichkeit, Asthmasymptome zu entwickeln, bei Kindern, die im Tabakrauch aufwachsen, etwa 5 mal höher gegenüber Familien, in denen die Kinder nicht von ihren Eltern mit Tabakrauch eingenebelt werden. Dies gilt wahrscheinlich nicht nur für die Phase der Schwangerschaft durch die rauchende Mutter, sondern auch für das Passivrauchen des Säuglings nach der Entbindung. Ob Ähnliches auch für Wohngegenden mit vermehrter Schadstoffbelastung durch lndustrieabgasen bzw. verkehrsreiche Straßen gilt, ist noch umstritten. Trotz Unterschieden in der Art der Schadstoffbelastung in Ost- und Westdeutschland kann festgestellt werden, daß die vergleichsweise stärkere Luftverschmutzung in Ballungsgebieten der ehemaligen DDR im Verhältnis zu Westdeutschland seltener zu allergischem Asthma und Heuschnupfen geführt hat. Möglicherweise haben auch die im Osten häufiger diagnostizierten Parasiteninfektionen im Darm in gewisser Weise Einen schützenden Effekt. Die im Gegensatz zum Westen häufiger durchgeführten Schutzimpfungen im Osten könnten diesen Effekt, ebenso wie die bereits erwähnten wiederholten frühkindlichen Infekte, wirksam als Schutz vor Allergien unterstützt haben.

Eine andere Form der Innenraumbelastung stellt die Besiedlung mit Hausstaubmilben dar. Staubfänger im Schlafzimmer (z.B. Bettvorleger) können zur Folge haben, daß sich über die Mutter bereits während der Schwangerschaft eine Sensibijisierung gegenüber Hausstaubmilbenantigen beim Fetus manifestiert, welche bei Geburt im Nabelschnurblut nachweisbar ist.

Auch das Halten von Haustieren während Schwangerschaft, Stillzeit und in den ersten Lebensjahren führt im Vergleich zu Familien ohne Haustiere häufiger zu einer spezifischen Sensibilisierung gegen Tierepithelien und demzufolge bei Tierkontakt auch häufiger zu Hautreaktionen und/oder Asthmaentstehung.Kinder, die im Frühjahr geboren werden (,,Frühlingskinder"), erleiden wegen des dann einsetzenden Pollenfluges statistisch siginifikant häufiger als ,,Herbstkinder" eine Sensibilisierung gegen Baumpollen und erkranken in der Folgezeit auch häufiger an PoIlen-induzierten allergischen Erkrankungen.Aus diesen Erkenntnissen lassen sich eine Reihe von Empfehlungen ableiten, welche im Laufe dieses Ratgebers wieder aufgegriffen werden.

Wie hoch ist heute das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken?

Ausdem bisher Gesagten läßt sich ableiten, daß das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken, steigt, je mehr Mitglieder in der nahen Verwandtschaft an atopischen Krankheiten erkrankt sind. Haben weder Vater noch Mutter des Kindes eine der drei genannten Erkrankungen, so liegt das Risiko, wie erwähnt, etwa bei 15 %. Ist ein Elternteil betroften, steigt das Risiko auf 20 bis 40 %, haben beide Eltern Heuschnupfen oder Asthma, liegt es zwischen 60 bis 80 %. Ungünstig ist die Situation, wenn beide Eltern an Neurodermitis leiden: es besteht dann ein Risiko von über 80 %, daß die Kinder ebenfalls an Neurodermitis erkranken.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Zwillingsstudien aus Dänemark. Dort werden seit vielen Jahren eineiige Zwillinge (diese haben ein identisches Erbgut) und zweieiige Zwillinge (diese sind etwa so wie Geschwister miteinander verwandt) hinsichtlich der Entstehung verschiedener Krankheiten genau untersucht. Erkrankt ein eineiiger Zwilling an Neurodermitis, so ist die Wahrscheinlichkeit mit 86 % sehr hoch, daß innerhalb kurzer Zeit auch der andere Zwilling Hautveränderungen einer Neurodermitis zeigt. Das unterstreicht die große Bedeutung der Vererbung bei Neurodermitis. Bei zweieiigen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit mit bis zu 20 % im Bereich des oben erwähnten Risikos für Kinder, bei denen die Eltern keine atopischen Erkrankungen haben.

Wie äußert sich Neurodermitis an der Haut?

Wenn Ihr Hautarzt oder Kinderarzt bei Ihnen oder Ihrem Nachwuchs eine Neurodermitis festgestellt hat, hat er sich dabei auf Ihre Angaben und auf den Hautbefund gestützt. Es gibt verschiedene wichtige Kriterien anhand deren man die Erkrankung ziemlich sicher erkennen kann. Man nennt sie Hauptkriterien. Die Hauptkriterien beruhen auf der Vererbung, sind also bei annähernd allen Patienten anzutreffen.

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